Samstag, 23. Mai 2015

Woche 10 - vorbei, geschafft, zu Ende...

Montags bin ich dann leicht aufgeregt und voller Vorfreude zum Stall gefahren. Es sollte endlich in den Melkstand gehen. Aber angekommen, stellte sich heraus, dass 2 Schülerpraktikantinnen für Montag und Dienstag angemeldet waren. Also kein melken, sondern die Kiddies bespaßen. Aber die zwei Mädels waren super lieb und echt toll drauf. Sie waren 6. Klasse und natürlich total in die Lämmer verliebt. Die Zwei halfen uns dann beim Lämmer fangen und rüber tragen. Auch beim fangen einer frisch gewordenen Mutterziege waren sie gut drauf. Ich musste dann noch einmal die Ohrmarke am Lamm setzten. Das letzte Mal. Es tat mir immer noch leid, auch wenn ich es sehr schön schnell und präzise gemacht habe. 

Dienstags ging es mir morgens nicht gut. Ich hätte sicherlich arbeiten können, wollte aber auf Nummer sicher gehen und meldete mich krank. Es ging mir dann mittags schon wieder sehr gut. Alles also halb so schlimm, aber es war sicherlich die richtige Entscheidung.

Das Melkzeug 
Der (bezaubernde) adaptierte Melkstand 


Mittwoch war es dann endlich soweit. Ich durfte melken. Das ist eigentlich super einfach. Die Melkmaschine hat am Ende zwei Gummies, welche pneumatisch über Pulsation und den Unter-und Überdruck von einem saugendem Lamm imitieren. Dann kommt schon die Milch und man kann erstmal abwarten. Es geht definitiv schneller als per Hand, obwohl ich ja auch schon ganz schön schnell geworden bin! Es war ein sogenannter Side-by-Side Melkstand. Wobei wir 2 mal 15 Plätze haben. Den Weg kann man auf der (nicht so) wunderschönen Zeichnung von mir sehen. Hier habe ich zwar nur 10 Plätze pro Melkstand, aber für das Verständnis reicht es wohl! Die roten Pfeile zeigen den Weg den die Ziege geht. Draußen vor dem Melkstand ist der sogenannte Vorwartehof. Dort steckt man alle Tiere rein die demnächst gemolken werden sollen (Massentierhaltung!?). So sieht es manchmal wirklich aus, wenn der so rappel voll ist. Aber wenn die ersten 30 Tiere im Stand sind, dann ist es wieder deutlich leerer. So sie hüpfen also eine kleine Treppe hoch und die erste Ziege muss dann einmal ganz nach hinten laufen, da nur dort die Klappe aufgeht. Ist sie in der Box hat sie der zweiten Ziege ermöglicht in ihren Stand zu gehen, da dort nun nichts mehr den Klappmechanismus verhindert. Ich hoffe man kann das erkennen. Im der Box selbst ist ein kleiner Behälter mit Kraftfutter, der die Ziege einerseits motiviert immer in den Melkstand zu laufen, andererseits ablenkt wenn man das Melkzeug anlegt. Manche haben sich da sehr zickig. Am Ende kann man die komplette Frontseite hoch machen und die Ziegen können zurück in den Stall, wo alle fertigen Ziegen sind. Das ist schon die ganze Zauberei.
Die Milch kommt über ein Rohrsystem direkt in den Milchtank und wird dort schnell auf ca. 3-4°C runtergekühlt. Dieser wird dann ca. 3 mal die Woche zur Meierei gefahren. Gemolken wird morgens und abends. Jeden Tag, egal ob Feiertag, Geburtstag, schlechtes Wetter, gutes Wetter, schlechte Laune oder nicht. IMMER. Vielleicht kann der eine oder andere das bedenken, wenn er das nächste Mal Milch oder Käse isst. Egal ob von Kuh, Schaf, Ziege oder wie auch immer. Es steckt extrem viel Arbeit, Zeit, Geduld und Nerven in der Milch.

Dazu passt nochmal was zum Thema Ziegenmilch. Sie schmeckt tatsächlich nicht anders als Kuhmilch. Dieser „Eigengeschmack“ den viele Leute (und auch ich) in ihr schmecken, hängt von der Haltung ab. Durch das Euter nimmt die Milch extrem Dinge aus ihrer Umwelt an. Wenn man also zum Beispiel einen Ziegenbock in der Herde hat, riecht der extrem. Das ist vollkommen normal für einen Ziegenbock und dann kann auch die Milch „nach Ziege“ schmecken. Aber auch ein stinkender Stall durch mangelnde Hygiene oder zu wenig Platz kann dazu führen. Ich habe am Freitag ein Käsepaket von den Brodowiner Ziegen bekommen und der Frischkäse schmeckt himmlisch. Etwas anders zwar als Philadelphia und Co. aber so gut und ich finde überhaupt nicht nach Ziege. Ich dachte dann, dass ich vielleicht voreingenommen bin, aber Thore schmeckte er auch super gut! 

Der Schnittkäse ganz rechts, der Mozzarella und der Ofenkäse sind aber aus "normaler" Kuhmilch
Donnerstags habe ich nochmal gemolken und Freitag nochmal die ganz normale Arbeit. Zum Abschied haben wir noch ein Eis gegessen und ich bekam mein Käsepaket. Da habe ich mich so gefreut. Aber das Beste waren die Abschiedsworte. Ich wäre wohl eine der besten Praktikantinnen gewesen und wenn ich noch ein paar Wochen länger da wäre könnte ich die Zwei komplett ablösen. Das war so ziemlich das schönste, denn es gehört schon viel Vertrauen dazu, die Tiere jemandem an zu vertrauen. Wie gesagt sind es ja Lebewesen und ich liebe sie wirklich. Toggi mit ihren vier Zitzen, Toggis Tochter mit ihren drei Zitzen, Schlappi mit ihren Schlappohren, Mini die „Haus- und Hofziege“, die Schnüffelziege mit dem kleinen Haarbüschel am Maul, das aussieht als hätte sie einen Blumstrauß im Maul, Kichi und Maunzi die sehr eigene Laute von sich geben (was kann man sich wohl denken). Aber auch Griechi mit ihren Glubschaugen, die  vier Braunies, Auri, die auch schon alt aber so lieb ist, Oma mit ihren gefühlten 100 Jahren, Antje unsere Kaiserschnittziege und natürlich meine größte Liebe: Dreiziggi. Die hat sich am Freitag nochmal richtig schön durchkraulen lassen. Aber auch die 6 Böcke, allen voran Luis und Alwin werde ich nie vergessen.

Das letzte Lamm, das während meines Praktikums geboren wurde

Tatsächlich wurde ich ziemlich sentimental, deshalb mache ich noch einen letzten Beitrag in den nächsten Tagen. Einfach ein kleiner Gesamtrückblick und evtl. sogar ein kleines Video. 

2 Kommentare:

  1. Sehr anschaulich, auch deine Zeichnung. Beeindruckend, dass du dich bereits jetzt für die Landwirte einsetzt. Ich finde auch, dass das Essen zu billig ist. ein Beweis dafür ist, dass Menschen viel zu viel essen und wir auch so viele dicke Menschen haben. Mit höheren Lebensmittelpreisen und einer sehr geringen Mehrwertsteuer oder einem Mehrwertsteuererlass für Grundnahrungsmittel würde man die Lebensmittelherstellung mehr würdigen.

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    1. Naja, wenn man "einer war", bzw so halb einer war, dann setzt man sich auch dafür ein. Ich denke auch, dass in Deutschland zu viel Masse statt Klasse angeboten wird.
      Lösungen sind schwer, aber der Trend zu Bio etc. ist auf jeden Fall beruhigend.

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