Sonntag, 26. April 2015

Woche 6 - nicht viel passiert, die Zeit vergeht



Es sollte ja eine schöne Woche werden, also zumindest Wettertechnisch und das wurde sie auch!

Ich habe also am Montag meine gewohnten Arbeiten verrichtet. Es kam die Tierärztin vorbei, da wir von allen Ziegen die über einem Jahr alt sind Blutproben nehmen müssen. Naja, und das sind ca. 300. Aber wir haben erstmal nur 100 „geblutet“, so ist der Fachbegriff. Getestet wird dann auf eine spezielle Krankheit, deren Name ich vergessen habe. Jedenfalls können Träger dieser Krankheit sie verbreiten aber sie muss nicht umbedingt bei jedem Tier ausbrechen das positiv ist. Trotzdem will man die Krankheit ausrotten und deshalb wird jedes Jahr getestet.

Dienstag habe ich dann die Fenster aus dem Stall ausgebaut, damit es nicht so heiß wird und am Dienstag war es ja auch heiß! Die Böcke kamen die ganze Woche tagsüber raus um das Stück hinter ihrem Stall abzugrasen. Ab nächster Woche kommen dann auch die Schafe raus. 

Dafür musste ich Mittwoch noch den Hänger auf der Weide sauber machen und Tröge und so was raustragen. Mittwoch früh aber musste ich erstmal einer Ziege bei der Geburt helfen. Das erste Lamm kam rückwärts und steckte deshalb fest und ich musste es raus ziehen, da hat die Mutter aber gut mitgeholfen. Das Zweite Lamm hab ich dann auch noch schnell rausgeholt. Sicher ist sicher. Danach war ich voller Adrenalin aber auch überglücklich. Jetzt legt die Gruppe endlich los mit den Geburten. Sind ja auch fast drei Wochen später dran als gerechnet. Außerdem wurden nochmal 100 Ziegen geblutet.

Donnerstag war schnell vorbei, da ich den kompletten Nachmittag auf der Weide mit den Zaunbauern verbrachte. Da half ich dann beim Löcher buddeln und so. War auch mal sehr interessant. 

Freitag wollte ich eigentlich noch mal zu den Zaunbauern, kam aber nicht dazu. Es war doch noch eine ganze Menge fürs Wochenende zu erledigen und schwups war es schon wieder 16 Uhr und es ging nach Hause. 


Ja wirklich etwas interessantes ist nicht passiert diese Woche (außer meiner Geburtshilfe) aber was solls, kann ja nicht immer so super spannend sein. Mal sehen wie es nächste Woche wird. Es sind ja jetzt noch genau 4 Wochen bis zum Ende. Die Zeit vergeht ja super schnell jetzt. 

Samstag, 18. April 2015

Woche 5 - Malen, Besuch, Trauer, Lachen, Halbzeit

Am Montag war ich natürlich wieder pünktlich kurz vor 8 Uhr am Stall. Da ein Kollege die Woche frei hatte, waren wir morgens immer nur zu zweit. Ab mittags bekam ich dann Aufgaben und war den Rest des Tages allein am Stall. Montag habe ich endlich mein Raumprojekt fertig gestellt. Ansonsten ist an diesem Tag nicht besonders viel passiert. 



Dienstag früh habe ich erfahren, dass am Abend vorher eine Ziege abgelammt hatte. Leider mit Frühgeburten. Das erste Lamm war gleich tot, das zweite lebte noch gerade so. Das wurde dann in einen großen Plastikbottich mit viel Heu als weicher Unterlage gelegt und ins warme Büro gestellt. Da lag es nun und wurde dann auch alle 2 Stunden von mir getränkt. Es sah aber schon nicht sehr viel versprechend aus. Es hatte kaum Kraft und wenig Motivation zum trinken. Aber wir haben trotzdem immer weiter getränkt. Dann musste ich noch etwas im Raum nachstreichen und anschließend kam auch gleich das nächste Projekt und zwar wieder streichen! Macht ja nichts. Mir macht das ja Spaß. Leider hatte mein Hirn nicht so mitgespielt. Aber von vorn. Das Objekt ist der Kraftfutterbehälter für den Melkstand. Der steht draußen und muss mit Rostschutzfarbe gestrichen werden. Tja und Belinda denkt sich so: „Schönes Wetter, dann werd ich mal mit hochgekrempelten Ärmeln und ohne Schutzkleidung oder Handschuhe pinseln. Kann man ja alles abwaschen.“ Haha. Nicht. Hätte man sich eigentlich denken können, dass ROSTSCHUTZfarbe nicht wasserlöslichch ist… Egal bis Freitag war alles wieder weg… Gott sei dank!



Mittwoch sah genauso aus wie Dienstag. Nur das über den Tag noch die Tränken in dem einen Stall repariert wurden. Sehr geil, dann haben die jetzt wieder automatische Tränken und ich muss kein Wasser mehr schleppen etc. Achja, und ich habe (bei wundervollem Wetter und über 20°C) in voller Montur weiter gestrichen. Es war so heiß!! Ich wäre mit Mütze gestorben, also hab ich natürlich gleich Farbe in die Haare bekommen. Ist ja klar. Aber da geht es viel besser raus als von der Haut. Immerhin. Abends kam dann noch, wie angekündigt, mein lieber Papa vorbei, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Wir waren noch etwas essen und haben das schöne Wetter genossen. Ja man konnte draußen essen! Um halb 8 abends! So kann es doch bleiben, oder was? Oh und danke für das Mitbringsel an Oma B!



Donnerstag früh fuhr Papa dann weiter Richtung Osten und ich ging wieder zur Arbeit. Der Tag begann mit dem Anblick des kleinen Lammes, welches tatsächlich über nach gestorben war. Es war aber kein großer Schock, da ich es schon erwartet hatte. Am Vorabend hatte er sogt wie nichts mehr getrunken. Für alle Zartbeseiteten: jetzt zum nächsten Absatz springen!! Die toten Lämmer kommen dann ins Kadaverhaus wo es schön kühl ist und von dort werden sie dann zeitnah abgeholt. Das war wirklich hart, da dort ja auch noch sein Geschwisterchen lag und das war wirklich noch kleiner als er!
So ab hier wird's wieder schön! Naja „schön“ ich habe den Rest des Tages mit Streichen (inklusive Vollmontur und Mütze) verbracht und kam auch richtig weit. Noch eine Etappe und dann ist das Ding fertig! Achso: noch was zu Mittwoch, aber das passt hier so schön nach den traurigen Sachen. Nachmittags beim Füttern hatte mir meine Lieblingsziege nochmal ein breites Lachen auf das Gesicht gezaubert! Ihr erinnert euch an ein Selfie mit der grinsenden Ziege? Das ist ja Dreiziggi, die kleine die es schafft aus den Boxen zu springen und einen manchmal bei der Arbeit begleitet und hinterher rennt. Ich wollte also füttern und wer liegt auf dem Heu wie der King? Ja, genau. Ich musste so lachen und hab super vorsichtig Bilder gemacht, damit sie nicht weg läuft. Hätte ich mir sparen können. Selbst, als ich eine Heuschicht unter ihr wegzog, hat die nicht mal mit dem Ohr gezuckt. Zu cool! Da ich danach ja noch etwas Zeit hatte bekam sie dann noch eine Kuscheleinheit. Tipp: Besonders gehörnte Ziegen lieben es genau zwischen den Hörnen gekratzt zu werden. Bei den jungen Ziegen ist das Fell da auch noch ganz weich und sauber. Wobei Dreiziggi es auch einfach liebt am Bauch oder Hals gekrault zu werden.



Tja und schon war es wieder Freitag. Da ich am Freitag immer eine Stunde früher abhaue, hatte ich Nachmittags nicht genug Zeit zum zu Ende streichen. Das kommt daher, dass immer viel für das Wochenende vorbereitet werden muss. Einstreuen, Futterwagen auffüllen (hier war die Feinstaubmaske mal wirklich im Einsatz und echt beruhigend!) und alles mögliche. Wirklich spannend ist das ja nicht. 

So das war wieder meine Woche. Achso, und zu dem zweiten Praktikanten: Der kommt wohl doch nicht mehr. Hatte sich irgendwann einfach nicht mehr gemeldet. Ganz ehrlich, ich bin froh darüber. Ich arbeite gern allein und für mich. Ist auch entspannter, wenn man nicht das Gefühl hat, dass einem jemand im „Nacken“ sitzt. Es ist einfach entspannter und das ist bei mir momentan ja super wichtig, damit ich das Praktikum durchhalte! Aber ich fühle mich gut. Klar gibt es Tage an denen geht es mir (insbesondere Morgens) nicht so super, aber im Großen und Ganzen komme ich sehr gut zurecht. 
Außerdem heißt die 5. Woche, dass Halbzeit ist. Man man man. Oh und noch einmal DANKE für die Schoki, Mama ;) Super süß! 




Mal was zum Futter ...

(freiwillige) Theorie

Am Anfang etwas Theorie, die man natürlich auch überspringen kann: Die Ziegen gehören zu den kleinen Wiederkäuern. Das heißt, dass sie, wie zum Beispiel auch die Kühe, mehrere Mägen haben ( sie sind also Polygaster). Der „normale“ Magen, den wir Menschen auch haben heißt Labmagen. Der Vormagen, der bei uns nur eine Vormagenabteilung ist, teilt sich bei den Wiederkäuern in drei eigene Vormägen auf: in den Pansen, die Haube und der Blättermagen. Der Pansen ist am bekanntesten und nimmt beim Erwachsenen Tier fast die gesamte linke Hälfte der Bauchhöhle ein! Für den Pansen ist es besonders wichtig, dass genügend Raufutter gefressen wird, da er sich sonst nicht entwickeln (beim jungen Tier) oder die Aktivität beeinträchtig werden kann (erwachsenes Tier). Beim Lamm ist also der Labmagen von höchster Bedeutung, da nur dort die Milch gespalten werden kann. Erst mit der Raufutteraufnahme (Heu) kann sich der Pansen entwickeln. 

Die Haube ist vielleicht auch noch ganz interessant. Vor allem beim Rind, kann beim Weidegang durchaus mal etwas gefressen werden was nicht umbedingt sinnvoll ist. Zum Beispiel Steine oder auch andere Fremdkörper, wie Nägel oder anderer „Müll“. Dies liegt vor allem an der Fressweise der Kuh, da sie mit der Zunge wie mit einer Hand ein Büschel Gras umschließt und einfach ausreißt. Diese Fremdkörper landen dann in der Haube welche direkt hinterm Zwerchfell liegt. Diese muss auch durchaus mal per Hand ausgeleert werden.
 Aber zurück zur Ziege, denn das war es jetzt auch mit der gröbsten Theorie, soll ja nicht zu langweilig werden.


Die Lämmer

Nachdem die Lämmer von ihren Müttern getrennt werden, bekommen sie natürlich weiterhin Milch. Aber es wird ihnen auch nebenbei Heu und Kraftfutter angeboten. Wenn ich von Kraftfutter rede, dann meine ich damit in diesem Fall gequetschte Gerste. Während die kleinen Lämmer (bis ca. 1 Monat) kaum Heu fressen, so wird das im Laufe der Zeit immer mehr. Dies ist extrem wichtig. Die Ziege braucht die Rohfaser aus dem Heu unbedingt, da sich sonst das Magensystem nicht richtig entwickeln kann. 
Die Milch wird mit einem "Milchtaxi" auf genau 44°C aufgewärmt und kann dann auch je nach Menge genau dosiert werden. Das Absetzten von der Milch ist (wie alles) auch gesetzlich geregelt. Das heißt es gibt eine Mindestzeit für die Milchfütterung. Bei den Ziegen sind das 45 Tage. In dieser Zeit erhöhen wir die Menge an Milch immer kontinuierlich auf ein ordentliches, artgerechtes Maß pro Gruppe (mit je ca. 20 Ziegen). Nach den 45 Tagen reduzieren wir die Menge dann je nach Kondition der Gruppe. Also je nachdem wie groß sie sind etc. Meist merkt man auch, dass sich einige Ziegen schon gar nicht mehr wirklich für die Milch interessieren und lieber ihr Heu knabbern. jedenfalls wird dann immer weiter reduziert und dann meist zum Wochenende komplett abgesetzt. In der gesamten Zeit und besonders nach dem absetzten muss immer genug Heu und Kraftfutter da sein, damit für alle genug Nährstoffe und Energie da ist!

Die Jungziegen

Heu und Kraftfutter steht den Ziegen, die keine Lämmer mehr sind und auf ihre erste Bedeckung warten ebenfalls immer zur freien Verfügung. Einerseits sind sie immer noch am wachsen, andererseits ist es extrem wichtig, dass sie genug auf den Rippen haben bevor sie gedeckt werden. Ziegen werden immer im Herbst gedeckt, damit die Lämmer nach ca. 5 Monaten so in der Zeit von Februar bis Mai zu Welt kommen. Aber auch weil der Zyklus bei Ziege (und auch Schaf) sehr saisonal ist und eben zum Herbst hin, wenn die Tage kürzer werden, einsetzt. 

Ist zwar keine Jungziege, aber wird von der Zusammensetzung genauso gefüttert, hier macht man es sich schön auf dem Heu gemütlich ;)

Die Trächtigen

Es gibt natürlich reichlich Heu und neuerdings auch Silage. Was Silage ist? Das Silieren ist eine Konservierungsart. Das ganze nennt sich auch Gärfutterbereitung. Das heißt einfach, das Futter wie zum Beispiel Gras, Klee, Mais oder andere durch Säure konserviert werden. Das Ganze passiert durch eine natürliche Säurebildung mit Milchsäurebakterien. Das macht das Futter lange haltbar und gibt auch gute Nährwerte was die Rohfaser und auch das Rohprotein (also die Eiweiße) betrifft. Es scheint den Ziegen auch sehr gut zu schmecken, da immer großer Andrang ist, wenn es endlich Silage gibt. Man könnte sagen, es ist das Hauptfuttermittel was die tägliche Menge betrifft. Danach kommt das Heu. Da bekommen sie immer einen schönen Abschnitt auf dem Futtergang. Kraftfutter wird reduziert, da in der Silage bereits viel „Kraft“ steckt. Es wird dann je nach Gruppengröße auf den Futtergang gestreut und auch immer ruck zuck aufgefressen.

Im Hintergrund sieht man den sogenannte "Futtergang" und die lieben Schaflämmer, die immer noch durch die Stangen passten und alles unordentlich machten. Jetzt sind sie zum Glück schon zu groß und passen nicht mehr durch!

Die Milchziegen

Die Milchziegen, nur noch mal zum Verständnis, sind die Ziegen die ihre Lämmer geboren haben und dann zum melken genutzt werden. Sie sind erstmal genauso bedient wie noch während ihrer Trächtigkeit. Das einzige was sich ändert ist, dass es das Kraftfutter nur noch im Melkstand gibt. Man braucht ja auch ein bisschen Motivation um in den engen Melkstand zu gehen. Im Stall gibt es eine Menge Silage und einen guten Abschnitt Heu. Die Besonderheit bei den Milchziegen sind aber die Sonnenblumenpellets. Als ich die das erste mal gesehen hatte, dachte ich es wären irgendwelche Gummi-Dinger. Aber nein, es ist ein sehr hochwertiges und extrem beliebtes Futtermittel für die Milchziegen. Sie haben einen sehr hohen Eiweißanteil und die Ziegen lieben sie abgöttisch. Je nach Gruppengröße gibt es dann natürlich unterschiedliche Mengen und immer ein großes Gerangel um die größten Stücke.

Die Sonnenblumenpellets oder auch "Gummi-Dinger" ;)


Samstag, 11. April 2015

Woche 4 im Rückblick

Es war ja eine sehr kurze Woche, also genau richtig für den Einstieg! Am Wochenende war ja Ostern und Thore und ich sind am Sonntag schon los ins Grüne. Da der Bus nicht fuhr und mein Fahrrad noch am Haus in Brodowin stand, sind wir, Thores Fahrrad als „Handesel“, von Chorin nach Brodowin gewandert. Das ganze war eigentlich ein echt schöner Spaziergang von etwa 1,5 Stunden. 

So haben wir dann auch am Montag mit den Fahrrädern die Umgebung, sowie natürlich den Ziegen- und Kuhstall und auch den Hofladen besucht. Es war ein sehr schöner Ostermontag und ich war sehr dankbar, da ich den Weg nach Brodowin nun schon hinter mir hatte. 
Thore ist dann natürlich auch am Montag wieder nach Hause und ich habe den Abend entspannt verbracht. 

Dienstag war also wieder der erste Arbeitstag. Es war ein denkbar guter Einstieg, da ich nach dem Lämmer füttern die neu abgesetzten Lämmer „antränken“ musste. Das hatte dann ziemlich lange gedauert (2,5h), da es um die 20 Lämmer waren die alle einzeln überredet werden mussten, dass Milch trinken sehr sinnvoll und auch lebensnotwendig ist (und man kann dabei sitzen). Nachmittags musste noch ein wenig geputzt werden, da am Donnerstag Hygienekontrolle anstand und da kann man die Gelegenheit gleich für einen ausgiebigen Frühjahrsputz nutzen.

Mittwoch weiß ich leider nicht mehr zu hundert Prozent was ich alles gemacht habe. Aber auf jeden Fall habe ich wieder Lämmer angetränkt. Diesmal waren wir schon nach einer guten Stunde fertig. Ansonsten hatte ich die Lämmerboxen nochmal eingestreut und noch einige Reinigungsarbeiten gemacht. Nachmittags haben wir dann noch eine Gruppe Ziegen den Stall wechseln lassen, damit die Ziegen die ab jetzt Ablamm-Termin haben in die große Box wechseln konnten. Bis jetzt blieb das große Lämmer-purzeln aber noch aus. Vermutlich werden wir nächste Woche wieder überhäuft und ich darf dann übernächste Woche 5h Lämmer antränken. Egal ich mach es sehr gerne. Abends bin ich dann nach Berlin, da ich ja am nächsten Tag meine letzte Prüfung schrieb. 

Donnerstag war ich dann auch schon um 6 wach und wiederholte noch etwas den Lernstoff. Um 10 war die Prüfung und sie lief auch recht gut. „Reproduktion landwirtschaftlicher Nutztiere“, heißt das Modul und es kam sogar eine Frage zum Schaf. Das war dann eine leichte Übung für mich, da Schaf und Ziege in der Hinsicht ziemlich ähnlich sind. Ich hatte dann noch groß eingekauft und bin nachmittags wieder zurück nach Brodowin. 

Freitags war dann nochmal arbeiten dran. Aber es war ein sehr schöner, sonniger und entspannter Arbeitstag. Nach dem die Lämmer gefüttert und die Stallarbeit getan war, musste ich noch eine Raufe ab und an der Boxenwand wieder anschrauben, da wir aus zwei kleinen Lämmerboxen eine große gemacht hatten. Dann können die Süßen jetzt auch den Auslauf nutzen und das Füttern gestaltet sich um einiges leichter. Außerdem habe ich nochmal alle Wassereimer ausgetauscht und das war bei ein, zwei Eimern auch bitter nötig. Da bildet sich doch schnell ein Schleim und macht das Wasser eklig. Nachmittags stand dann im Milchziegenstall das Verteilen neuer Lecksteine und ebenfalls die Reinigung der Tränken an. Jetzt haben also alle wieder frisches Wasser und können sich die Bäuche voll saufen. Es war eine sehr schöne und trotzdem auch etwas anstrengende Einstiegswoche für mich. Also genau richtig. 

Ich habe mich dann schon extrem auf das Wochenende in Berlin gefreut. Heute waren wir dann auch im Park am Gleisdreieck und haben Kubb und Diabolo gespielt. Sehr spaßig und schön viel Sonne haben wir auch getankt. 


Ich bin sehr gespannt, ob ich nächste Woche dann schon den zweiten Praktikanten/-in bei uns „begrüßen“ darf. Der/die sollte, glaube ich, so Mitte April dazu kommen. Kann aber auch sein, dass es erst die Woche drauf so weit ist. 
Auf jeden Fall muss ich mal wieder ein paar neue Fotos machen!

Mittwoch, 8. April 2015

Spezial: Mein Z(ieg)en-Meister

Geduld. Ruhe. Gelassenheit. Inwieweit habe kann man sich diese Eigenschaften zuschreiben? Ich hatte in der Grundschule ziemlich lange Blockflötenunterricht. Eines Tages, während der „täglichen“ Übungen war ich so wütend auf dieses **** Teil, dass ich es (immerhin) unter ein Sofakissen legte und bestimmt eine ganze Minute auf das Sofakissen einschlug! In dem Moment wusste ich, dass ich garantiert kein geduldiger Mensch war. Etwas später wunderte ich mich aber, da ich ja nun schon seit einigen Jahren aktive Reiterin war und schon so manchem störrischen Pony begegnet war. Meine lieben Großeltern väterlicherseits dürften sich an den „liebenswerten“ Back erinnern. Bei Lebewesen aller Art hatte ich offensichtlich doch ziemlich viel Geduld und Gelassenheit. 

Das Gleiche fällt mir auch jetzt mit 22 während meines Praktikums auf. Da gibt es die Situation, dass man gerade sehr anstrengende Stallarbeit hinter sich hat. Mit Kraft und viel Atem hat man schön die Heuraufen vollgestopft und die guten Zicken stehen mit den Vorderbeinen an der Raufe und mampfen Heu. Alles schick. Ziege glücklich, ich bin glücklich. Tja, aber vorbei ist die Arbeit noch nicht! Jetzt muss nämlich noch die Stallgasse gefegt werden, wo sich noch überall kleine Heuhalme befinden. Man nimmt sich also den größten Besen, damit man möglichst schnell durch ist. Kommt man nun an der besagten Heuraufe vorbei, dann ist das schon eine Attraktion. Man fegt ja nicht jeden Tag mehrmals die Stallgasse, nein, da muss man als Ziege sofort über die Bodenwand gucken und staunen, was der komische Mensch da schon wieder seltsames macht. Natürlich ist das ganze Maul voll mit einem riesigen Büschel Heu und da eine liebe Ziege ja nicht mit geschlossenem Mund kauen kann… Ja genau rieselt wieder alles auf die frisch gefegte Stallgasse. Auch wenn mich diese „Logik“ immer zu einem Kopfschütteln oder einem sarkastischem: „Dein Ernst?“ bringt, muss ich danach immer lachen. Es ist eben ein Tier und macht und tut wonach ihm gerade ist, ohne über Dinge wie Ordnung oder Sauberkeit nach zu denken.

Ein weiteres Beispiel für die Gelassenheit der Ziegen:
Gerade wenn die lieben kurz vorm ablammen sind, muss immer schön viel Stroh im Stall liegen. Das Einstreuen ist auch ziemlich anstrengend, sodass man immer erst in der ganzen Box einzelne Haufen über die Wand wirft und später dann über die ganze Fläche verteilt. Das kann schon etwas dauern, da man schon so sechs bis sieben Haufen über die ganze Boxenlänge verteilen muss. Danach klettere ich über die Wand und beginne die Haufen zu verteilen. Neues ist ja, wie bereits gelernt, immer total interessant und muss sofort begutachtet werden. Wenn man also so zum dritten oder vierten Haufen gelangt kann man wetten, dass sich eine Ziege wie die Prinzessin auf der Erbse oben drauf positioniert hat. Ist ja logisch, schön weich und warm und naja, "neu" eben. Die Prinzessin da runter zu bekommen ist dann auch sehr lustig. Ein Schnalzen funktioniert nur bei Schafen und vielleicht 5% der Ziegen. Ein lautes „Hey, weg da!“ funktioniert etwa bei der Hälfte. Ein leichter Stups mit der Mistgabel oder ein Klaps auf den Hintern ist da schon effektiver. Es gibt aber auch Meister der Gelassenheit, denen sogar ein Piekser in den aller Wertesten an eben diesem vorbei geht. Tja, da ist man erstmal sprachlos. Aber letztendlich ist man als Mensch ja immer im Vorteil und kommt schon an seinen Strohhaufen ran. Spätestens wenn dann alles schön verteilt ist und man die eine oder andere Ziege sich schön im neuen Stroh wälzen sieht, ist man wieder glücklich und zufrieden. Ich finde jedenfalls, an der Ruhe und Gelassenheit kann man sich schon mal ein Beispiel nehmen, oder? Es muss ja nicht immer alles perfekt sein! Wenn es einem gefällt, darf man auch gern mal von der Konvention abweichen und etwas "anders" sein.




Samstag, 4. April 2015

Woche 2 und 3 im Rückblick


Die Zweite Woche begann wie geplant. Ich fuhr Montag früh mit Bahn und Bus nach Brodowin. Im Gepäck ordentlich Essen und neue Klamotten. Im Stall war auch viel los. Ich setzte das erste Mal Ohrmarken (sorry nochmal fürs vergeigen kleines Lamm) und die Lämmer wurden abgesetzt. Außerdem haben wir die Mütter rüber in den Milchziegenstall getrieben, was echt lustig war. Nachmittags habe ich dann nur noch das Grillfest mit vorbereitet und noch mal gefüttert. Eine Stunde vor Schluss ging es dann zu den Ackerbauern grillen und essen. Ich hatte da schon kaum Appetit, konnte mich aber noch für eine kleine Bratwurst begeistern. Als ich dann abends zu Hause war, war ich so super müde und bin dann nur noch etwas wach geblieben. 

Dienstag ging es mir schon nicht mehr so gut. Ich war sehr froh, dass wir vormittags noch eine Einweisung in den Arbeitsschutz hatten. Der Rest des Tages ging dann fürs antränken drauf. 

Mittwoch wurden endlich die Weiden gemulcht. Ich war so kaputt, dass immer wenn ich einen Zaun runter gemacht hatte und der Traktor mit dem Mulcher drüber war, ich mich erstmal hin gesetzt hatte. Nachmittags hatte ich neben dem Ausmisten zum Glück nur leichtere Arbeiten. Abends bin ich dann um 6 Uhr schon eingeschlafen. 

Donnerstags war ich so kaputt, da ich die letzten Tage so gut wie nichts zu Essen in mich reinbekommen hatte. Nach der Lämmertränkung wurde ich dann (zum Glück) nach Hause geschickt. Ich bin dann auch zurück nach Berlin und erstmal wieder ins Bett. Abends habe ich mich dann entschieden ins Krankenhaus zu fahren. 

Die dritte Woche war ich dann aber nur bis Dienstags im Krankenhaus. Jetzt geht es mir schon wieder gut. Ich esse wieder wie ein Scheunendrescher (also normal) und freue mich, endlich wieder weiter machen zu können. Es ist ja Osterwochenende. Heute, am Ostersonntag fahren mein lieber Mann und ich schon nach Brodowin und machen uns noch eine schöne Zeit. Dann kann ich locker am Dienstag wieder loslegen.

Es war ein harter Schlag für mich, schon wieder nach so kurzer Zeit im Praktikum flach zu liegen. Ich meine, bin ich nicht alltagstauglich, oder was?? Aber wenn man nichts essen kann, dann wäre wohl niemand so richtig alltagstauglich. Ich gehe jetzt wieder positiv an die Sache ran und hoffe, dass ich diese Einstellung halten kann. Ich finde, dass diese Info einfach auch zu diesem Tagebuch dazugehört. Ein großes Danke auch an alle die mich besucht, an mich gedacht und mir so viel Mut gemacht haben. Also eigentlich ein großes Danke an meine gesamte Familie und Freunde, aber ganz besonders an Mama und meinen Liebsten! Ich kann mich wirklich glücklich schätzen!


Also, jetzt aber: Auf gutes Wetter, guten Hunger und gute Laune!